Die Geschichte des Theater Fauteuil
Seit 1957 ziemlich viel Theater
69 Jahre Theatergeschichte passen nicht auf eine Website. Und schon gar nicht auf eine Bühne. Deshalb erzählen wir hier nur die wichtigsten Geschichten – von mitgebrachten Stühlen, einem silbernen Ei, drei Generationen Rasser und ziemlich vielen grossartigen Menschen, die am Spalenberg aufgetreten sind.
Am 27. November 1957 öffnete das Theater Fauteuil zum ersten Mal seine Türen. Eintrittskarten gab es keine. Stattdessen lautete die Ansage ans Premierenpublikum: Bitte einen eigenen Stuhl mitbringen – und am besten gleich hierlassen.
Gesagt, getan. So entstand die erste Bestuhlung des Fauteuil. Einige dieser legendären Stühle hielten tatsächlich bis 2002 durch. Dann war Schluss mit der Nostalgie und es gab neue Sitze.
Auf der Bühne stand damals das Cabaret Gigampfi mit dem Programm «Pscht... wytersage!». Dahinter: Roland Rasser. Seine Idee war simpel und ziemlich mutig: Kabarett sollte nicht länger nur in Kneipen stattfinden, sondern ein eigenes Zuhause bekommen - Das Fauteuil war geboren.
Und damit begann eine Geschichte, die die Schweizer Kleinkunst nachhaltig prägen sollte.
Fauteuil-Eröffnung 1957
Das Fauteuil sprach sich herum. Bald wollten immer mehr bekannte Künstlerinnen und Künstler am Spalenberg auftreten. Also musste mehr Platz her. 1972 kam das Tabourettli als zweite Kleinstkunstbühne im selben Haus dazu.
Seit dem grossen Umbau von 1989 durch den weltbekannten spanischen Architekten Santiago Calatrava trägt das Tabourettli die – zugegeben inoffizielle – Bezeichnung «Europas schönstes Kleinkunsttheater». Calatrava sollte eigentlich vor allem bei statischen Fragen helfen. Es kam etwas mehr dabei heraus: ein spektakuläres silbernes Stahlgebilde in Form eines Eis – das «Ei des Calatrava», welches einerseits die Last von ca. 211 Tonnen in die Fundamente ableitet und andererseits einen Treppenaufgang für das Tabourettli und ein Verbindungspodest zwischen dem Foyer und dem eigentlichen Theater schafft. Für die Inneneinrichtung entwarf er Möbel, Garderoben, Lampen und jede Menge Architekturgeschichte. Die Calatrava-Stühle wurden irgendwann mangels Sitzkomfort ersetzt – und zieren nun so manchen Basler Haushalt.
Wer am Spalenberg schon alles auf der Bühne stand? Die Liste ist lang. Sehr lang. Emil Steinberger, Hanns Dieter Hüsch, Dieter Hildebrandt, Dimitri, Zarah Leander, Georg Kreisler, Samy Molcho, Münchner Lach- & Schiessgesellschaft, Mummenschanz, César Keiser & Margrit Läubli, Milva, Gert Fröbe, Franz Hohler, Reinhard Mey, Mani Matter, Massimo Rocchi, Ursus & Nadeschkin, Gerhard Polt, Gerd Dudenhöffer, Claudio Zuccolini, Dieter Nuhr, Hazel Brugger und viele, viele andere. Auch das Cabaret DivertiMento wagte sich 2006 im Tabourettli erstmals auf eine Basler Bühne. Und natürlich auch Alfred Rasser, der mit eigenen Programmen im Fauteuil bis 1977 auftrat.
Einige kamen einmal. Andere immer wieder. Manche wurden über Jahre zu einem festen Bestandteil des Hauses. Und das Verrückte daran: Viele dieser Künstlerinnen und Künstler könnten problemlos grössere Säle füllen. Sie kommen trotzdem zurück. Denn das Fauteuil ist klein. Das Publikum sitzt nah. Und zwischen Bühne und Zuschauerraum passt gerade so viel Luft, wie für einen guten Theaterabend nötig ist.
Ein Theater ist natürlich mehr als ein Gebäude. Im Fauteuil ist es vor allem eine Familie.
Angefangen hat alles mit Alfred Rasser.
Er wurde 1907 geboren, spielte Theater, gründete Cabarets, erfand mit dem HD-Soldaten Läppli eine Figur, die die ganze Schweiz kennt, und sass zwischendurch auch noch im Nationalrat.
Seinen Sohn Roland zog es ebenfalls auf die Bühne. Zusammen mit anderen jungen Basler Künstlerinnen und Künstlern gründete er das Cabaret Gigampfi.
Es musste eine eigene Bühne her. 1957 wurde daraus das Theater Fauteuil.
Die Spalenberg-Ladys
Natürlich wäre diese Geschichte ohne die Frauen der Familie nicht dieselbe. Adele Rasser, Rolands Mutter, war gleichzeitig Kassiererin, Garderobiere, Barfrau, Plakatkleberin, Künstlerbetreuerin und Problemlöserin.
Auch Charlotte Rasser-Beck, Roland Rassers Frau, arbeitete über viele Jahre hinter den Kulissen mit und kümmerte sich um die Kasse – und gelegentlich stand auch sie auf der Bühne. Als Mutter von Caroline und Claude schaffte sie immer wieder den Spagat zwischen Familie und Theater.
Die nächste Generation
1996 übernahmen Caroline Rasser und Claude Rasser gemeinsam die Theaterleitung.
Theater war für die beiden schon als Kinder Alltag. In den Fauteuil-Märchen standen sie früh auf der Bühne. Im «Tapferen Schneiderlein» zum Beispiel war Claude die Wildsau. Caroline spielte das Hinterteil des Einhorns.
Seit nunmehr 30 Jahren sind sie ein eingespieltes Theaterteam. Caroline verantwortet vor allem die künstlerische Seite und die hauseigenen Produktionen. Claude kümmert sich um die andere, nicht weniger wichtige Hälfte des Theaterlebens: Budgets, Planung, Vorverkauf, Abrechnungen und all die Dinge, die passieren müssen, damit am Abend überhaupt jemand den Vorhang aufziehen kann.
Und heute?
Das Fauteuil ist inzwischen 69 Jahre jung.
Hier gibt es Theater, Kabarett, Comedy, Musik, Satire und Ernst. Bekannte Namen und neue Talente. Grossartige Künstlerinnen und Künstler – und ein Publikum, das immer wiederkommt.
Theater - Vom Keller bis zum Kaisersaal. Vom ersten mitgebrachten Stuhl bis heute. Theater das bewegt und sich bewegt. Immer dran bleibt am Puls der Zeit und den Mut hat, Neues zu wagen.
Eigentlich ist es ganz einfach: Wir lieben Theater.
Und wir freuen uns, wenn Sie es genauso lieben.
Mehr zur Geschichte der Familie Rasser von den Anfängen bis zur Gegenwart findet man im Buch "RASSER - KABARETT SCHWEIZ", erhältlich beim Christoph Merian Verlag.
Seit 1957 ziemlich viel Theater
69 Jahre Theatergeschichte passen nicht auf eine Website. Und schon gar nicht auf eine Bühne. Deshalb erzählen wir hier nur die wichtigsten Geschichten – von mitgebrachten Stühlen, einem silbernen Ei, drei Generationen Rasser und ziemlich vielen grossartigen Menschen, die am Spalenberg aufgetreten sind.
Am 27. November 1957 öffnete das Theater Fauteuil zum ersten Mal seine Türen. Eintrittskarten gab es keine. Stattdessen lautete die Ansage ans Premierenpublikum: Bitte einen eigenen Stuhl mitbringen – und am besten gleich hierlassen.
Gesagt, getan. So entstand die erste Bestuhlung des Fauteuil. Einige dieser legendären Stühle hielten tatsächlich bis 2002 durch. Dann war Schluss mit der Nostalgie und es gab neue Sitze.
Auf der Bühne stand damals das Cabaret Gigampfi mit dem Programm «Pscht... wytersage!». Dahinter: Roland Rasser. Seine Idee war simpel und ziemlich mutig: Kabarett sollte nicht länger nur in Kneipen stattfinden, sondern ein eigenes Zuhause bekommen - Das Fauteuil war geboren.
Und damit begann eine Geschichte, die die Schweizer Kleinkunst nachhaltig prägen sollte.
Fauteuil-Eröffnung 1957
Das Fauteuil sprach sich herum. Bald wollten immer mehr bekannte Künstlerinnen und Künstler am Spalenberg auftreten. Also musste mehr Platz her. 1972 kam das Tabourettli als zweite Kleinstkunstbühne im selben Haus dazu.
Seit dem grossen Umbau von 1989 durch den weltbekannten spanischen Architekten Santiago Calatrava trägt das Tabourettli die – zugegeben inoffizielle – Bezeichnung «Europas schönstes Kleinkunsttheater». Calatrava sollte eigentlich vor allem bei statischen Fragen helfen. Es kam etwas mehr dabei heraus: ein spektakuläres silbernes Stahlgebilde in Form eines Eis – das «Ei des Calatrava», welches einerseits die Last von ca. 211 Tonnen in die Fundamente ableitet und andererseits einen Treppenaufgang für das Tabourettli und ein Verbindungspodest zwischen dem Foyer und dem eigentlichen Theater schafft. Für die Inneneinrichtung entwarf er Möbel, Garderoben, Lampen und jede Menge Architekturgeschichte. Die Calatrava-Stühle wurden irgendwann mangels Sitzkomfort ersetzt – und zieren nun so manchen Basler Haushalt.
Wer am Spalenberg schon alles auf der Bühne stand? Die Liste ist lang. Sehr lang. Emil Steinberger, Hanns Dieter Hüsch, Dieter Hildebrandt, Dimitri, Zarah Leander, Georg Kreisler, Samy Molcho, Münchner Lach- & Schiessgesellschaft, Mummenschanz, César Keiser & Margrit Läubli, Milva, Gert Fröbe, Franz Hohler, Reinhard Mey, Mani Matter, Massimo Rocchi, Ursus & Nadeschkin, Gerhard Polt, Gerd Dudenhöffer, Claudio Zuccolini, Dieter Nuhr, Hazel Brugger und viele, viele andere. Auch das Cabaret DivertiMento wagte sich 2006 im Tabourettli erstmals auf eine Basler Bühne. Und natürlich auch Alfred Rasser, der mit eigenen Programmen im Fauteuil bis 1977 auftrat.
Einige kamen einmal. Andere immer wieder. Manche wurden über Jahre zu einem festen Bestandteil des Hauses. Und das Verrückte daran: Viele dieser Künstlerinnen und Künstler könnten problemlos grössere Säle füllen. Sie kommen trotzdem zurück. Denn das Fauteuil ist klein. Das Publikum sitzt nah. Und zwischen Bühne und Zuschauerraum passt gerade so viel Luft, wie für einen guten Theaterabend nötig ist.
Ein Theater ist natürlich mehr als ein Gebäude. Im Fauteuil ist es vor allem eine Familie.
Angefangen hat alles mit Alfred Rasser.
Er wurde 1907 geboren, spielte Theater, gründete Cabarets, erfand mit dem HD-Soldaten Läppli eine Figur, die die ganze Schweiz kennt, und sass zwischendurch auch noch im Nationalrat.
Seinen Sohn Roland zog es ebenfalls auf die Bühne. Zusammen mit anderen jungen Basler Künstlerinnen und Künstlern gründete er das Cabaret Gigampfi.
Es musste eine eigene Bühne her. 1957 wurde daraus das Theater Fauteuil.
Die Spalenberg-Ladys
Natürlich wäre diese Geschichte ohne die Frauen der Familie nicht dieselbe. Adele Rasser, Rolands Mutter, war gleichzeitig Kassiererin, Garderobiere, Barfrau, Plakatkleberin, Künstlerbetreuerin und Problemlöserin.
Auch Charlotte Rasser-Beck, Roland Rassers Frau, arbeitete über viele Jahre hinter den Kulissen mit und kümmerte sich um die Kasse – und gelegentlich stand auch sie auf der Bühne. Als Mutter von Caroline und Claude schaffte sie immer wieder den Spagat zwischen Familie und Theater.
Die nächste Generation
1996 übernahmen Caroline Rasser und Claude Rasser gemeinsam die Theaterleitung.
Theater war für die beiden schon als Kinder Alltag. In den Fauteuil-Märchen standen sie früh auf der Bühne. Im «Tapferen Schneiderlein» zum Beispiel war Claude die Wildsau. Caroline spielte das Hinterteil des Einhorns.
Seit nunmehr 30 Jahren sind sie ein eingespieltes Theaterteam. Caroline verantwortet vor allem die künstlerische Seite und die hauseigenen Produktionen. Claude kümmert sich um die andere, nicht weniger wichtige Hälfte des Theaterlebens: Budgets, Planung, Vorverkauf, Abrechnungen und all die Dinge, die passieren müssen, damit am Abend überhaupt jemand den Vorhang aufziehen kann.
Und heute?
Das Fauteuil ist inzwischen 69 Jahre jung.
Hier gibt es Theater, Kabarett, Comedy, Musik, Satire und Ernst. Bekannte Namen und neue Talente. Grossartige Künstlerinnen und Künstler – und ein Publikum, das immer wiederkommt.
Theater - Vom Keller bis zum Kaisersaal. Vom ersten mitgebrachten Stuhl bis heute. Theater das bewegt und sich bewegt. Immer dran bleibt am Puls der Zeit und den Mut hat, Neues zu wagen.
Eigentlich ist es ganz einfach: Wir lieben Theater.
Und wir freuen uns, wenn Sie es genauso lieben.
Mehr zur Geschichte der Familie Rasser von den Anfängen bis zur Gegenwart findet man im Buch "RASSER - KABARETT SCHWEIZ", erhältlich beim Christoph Merian Verlag.




